Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
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Theil ſeines Reiches und die Tochter zur Gemah hieß. Die beiden Trauten ſaßen ſorgenvoll Baume, das Herz wollte ihnen vor Gram zerſpri ihre Thränen floſſen in den Quell. Da erhob ſi ihnen die Waſſerfrau, welche in dem Brunnen wohnte, der Fluth:„Salzig wird mein ſüßer Quell durch Noth,“ und ſie bot jedem von ihnen einen hö Armring, in welchen ein Zauberdorn geflochten „Legt ihr den Ring um, ſo vermag er euch Seele(und Leib zu ſcheiden, ſo lange ihr es begehrt, und als Däm⸗

mervögel fliegt ihr ins Freie über Berg und Thal zu meinem Baume; doch hütet euch, daß der Rückweg euch nicht geſperrt werde.“ Da beſprachen die beiden Trau⸗ rigen, daß ſie einander am Baum wiederſehen wollten, in jeder Sommerzeit, bei jedem vollen Mond. Der Mohr aber ſchloß die Königstochter auf ſeiner Veſte ein, die er ſich auf ſteilem Felſen erbaut hatte, und ſie durfte Niemanden ſehen und ſprechen, nur eine treue Magd, welche ihr gefolgt war. Als nun der volle Mond in ihre Schlafkammer ſchien, da ſprach ſie zu ihrer Genoſ⸗ ſin:„Schließe die Thür und öffne das Fenſter. Wache und ſorge nicht um mich, ich weiß eine, die mit dem Mondenſtrahl fliegt, wenn die Leibeshülle leblos liegt.“ Und ſie legte den Armring an. Da ſank ſie ſogleich auf ihr Lager zurück und aus ihrem Munde flog ein winziges Vöglein, und»verſchwand durch das offene Fenſter in der Dämmerung. Die Dienerin wachte in Sorgen, denn ihre Herrin lag wie tot, das Herz ſchlug nicht und ſie athmete nicht. Als aber die Tages⸗