Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
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unſtreich als andere, die ihr zu vernehmen ge⸗ d.“ Er griff kräftig in die Saiten, ſpielte ein d ſang, was damals aus ſeinem Munde den n weit lieblicher klang, als jetzt aus dem Buche: Bote geh und künde meiner Fraue:

lo mein Hoffen hat der Reif zerſtört,

Da die Blumen lachten auf der Aue

rt' ich, ob ſie noch mein Flehn erhört.

Troſtlos find' ich, wenn der Morgen tagt

Vereiſt die Haide,

In Sehnſucht und Leide

Vergangen die Freude, das ſei vor ihr geklagt.“

Er hielt inne. Die Herren murmelten ihr Lob deutlich, die Frauen leiſe, aber nicht weniger ehrlich, und der Landgraf rief:„Wohlgeſungen. Wir hörten die Klage; iſt Niemand unter den Frauen, der ihm Ant⸗ wort giebt? Baſe Hedwig, vielleicht beliebt es euch, dem edlen Gaſt das Widerſpiel zu halten.“

Hedwig rückte das Saitenſpiel zu ſich, mit nach⸗ läſſiger Handbewegung fuhr ſie über die Saiten und ſang eine Antwort, indem ſie die fremde Weiſe, welche ſie eben erſt gehört hatte, wiederholte und zierlich wandelte:

„Weh, des Mannes Werbung ſchuf mir Sorgen,

Sprach die Frau, verſchloſſen bleibt der Mund,

Meine Liebe trag ich ſtill verborgen,

Wie das Meer die Perle birgt im Grund.

Troſt noch findet, wer ſein Lieben klagt,

Die ſich ſehnt und leidet

Und Rede meidet,. Der Armen iſt ihr letzter Troſt verſagt.