Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
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Herrin Elſe.„Deinem roſigen Antlitz ſieh an, daß die Maienſonne ihm ſein Weiß und mindert hat. Nur wir Verſchleierten tragen⸗ den, denn Naſe und Wänglein verbrennent wenn wir einmal das Schleiertuch lüften, in der Mitte des Antlitzes roth gemalt. D die Wappenfarbe, die unſere Hausherren an liebſten ſehen, obwohl jeder Blick auf den Spieg weinen macht.“ Sie löſte die Enden des Schle ſchlug ſie über den weißen Nacken zurück und wies edles Angeſicht, an dem von Sonnenbrand freilich nicht zu merken war. Als ſie ſo neben der Landgräfin ſtand in voller gereifter Schönheit, und mit ihrem Arm die Hausfrau umſchlang, da freuten ſich die Herren über den Anblick und unwillkürlich erklang ein lauter Heilruf von den Lippen der Hofleute; ſelbſt die Augen des Herrn Jvo zuckten, aber er bezwang ſich, und der Land⸗ graf rief:„Wahrlich, das iſt Frühlingswonne, und wir wollen den Tag in einer Tafelrunde feiern. Den Hofhalt des Königs Artus ſpielen wir heut und ihr, edler Ivo, ſollt Ritter Iwein ſein oder ein anderer Held, der euch am beſten gefällt. Breitet die Teppiche, rüſtet das Mahl, und ihr, edle Frauen, windet Kränze für euch und uns.“

Die Frauen flogen ſummend wie Bienen durch Garten und Anger. Doch waren der Blumen nur wenige außer Veilchen und Himmelsſchlüſſeln und die zar⸗ ten Hände mußten zum Schlehdorn und Weißdorn hinauf langen, deren Blüthen noch die kalte Farbe des Schnees