Teil eines Werkes 
3. Abtheilung (1874) Die Brüder vom deutschen Hause / von Gustav Freitag
Entstehung
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ehrbarer Nachbar gerühmt der jede Bedrückung der Schwächeren mied, und von hen fahrenden Sängern als ein ritterlicher Held, der miilbe und ſorglos ſpendete und nach Ehren ſtrebte, wie einem edlen Herrn geziemte. Heut hatte die Frühlingsſonne ihre Fahrt am Himmel in heller Freude begonnent; zuerſt umzog ſie die Zinnen des alten Thurmes mit roſigem Schimmer, kurz darauf ſtrahlte ihr rundes Antlitz in den Hof und ſie ſah

lachend zu, wie alich der Hof ſich zu glänzender Aus⸗

fahrt rüſtete.Bwiſchen den Wohnhäuſern und den Ställen eilten geſchäftig die Männer und Knaben, der eine in buntem Feſtkleid, der andere noch in Hemds⸗ ärmeln ivie Knechte zogen ſtarke Turnierpferde an der

Trenſe ins Freie und hingen die geſchmückten Decken,

welche den Leib der Roſſe umhüllen ſollten, über die wsggeſtelle. Behende Knappen trugen in den Armen

das Feſtgewand ihrer Ritter nach den Herrenkammern

und tauſchten im Lauf neckenden Zuruf mit ihren älteren Gefährten, welche Harniſch, Schwert und Dolch der Herren putzten und zuweilen gegen die Sonne hielten, um den Glanz zu prüfen. Auch drüben in der Küche tummelte ſich der Koch mit ſeinen Gehilfen, um ein Frühmahl zu bereiten für das edle Hofgeſinde und für die Vaſallen, welche erwartet wurden. Durch die Knechte und Roſſe ſchritt gewichtig Herr Henner Marſchalk, der an⸗ ſehnlichſte Ritter des Hofes und Aufſeher über alles Ritter⸗ werk, ein langer Mann nit ſcharfblickenden Augen und graulichem Haar und Schnurrbart, dem die ſtrenge Amts⸗ miene den gutherzigen Ausdruck nicht zu bannen ver⸗