Caplande zur Bekehrung der Eingeborenen begeben wollte. Sie geſtand, daß ſeine Erſcheinung, ſeine Bil⸗ dung und ſein ſchwärmeriſcher Glaubensmuth einen ungewöhnlichen Eindruck auf ſie gemacht. Da er ſie um Empfehlungsſchreiben nach England gebeten, hätte ſie es für ihre Pflicht gehalten, Erkundigungen über ihn einzuziehen. Ueberall habe ſie Gutes und Rühm⸗ liches über ihn gehört; daß die nüchternen und geiſtes⸗ leeren Orthodoxen ſeine Ueberſpanntheit, ſeinen Myſti⸗ cismus beklagt, hätte ihn in ihrer Meinung nur noch mehr erhoben. Seit einer Woche ſei der junge Mann,
wie es ſcheine, gefährlich erkrankt; in rührenden Briefen
habe er ſie beſchworen, zu kommen, ſeine Seele zu retten, die Beichte eines Sterbenden zu hören. Zögernd habe ſie ſich heute zu dem ſchweren Gange entſchloſſen.
„Ich fürchte Dinge zu vernehmen, die mir nach⸗ her als Laſt auf der Seele bleiben“, endete ſie.
„Immer noch der Samariterzug, Wunden zu ver⸗ binden, Kranke zu pflegen“, erwiderte Schmettow mit ſpöttiſchem Anflug.
„Was wollen Sie? Ich bin in dieſer Arbeit der Barmherzigkeit groß geworden. Der Pflege eines ſchwerkranken Mädchens verdanke ich meinen Wohlſtand. Selbſt wenn ich anders dächte und fühlte, aus den Kreiſen, in denen ich jetzt lebe, könnte ich nicht mit


