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um ſich greift, immer ärger unſere Stände und Sitten zerreibt. Heute ſind wir hier, morgen dort; in dieſem Jahre treiben wir dies Geſchäft, im nächſten ein anderes. Nicht um die Arbeit handelt es ſich mehr, ſie gut und angemeſſen zu vollenden, nur noch um ihren Ertrag. Wer das meiſte Geld macht, der gilt überall für den erſten Mann. Niemand bewundert oder prüft auch nur noch das Werk eines Dichters, eines Malers. Was hat er dafür bekommen? Das iſt die Frage. Nächſtens wird man ſelbſt die Helden nicht nach ihren Thaten, ſondern nach dem Gelde abſchätzen, das ſie als Staatsbelohnung dafür erhalten.“
Der Graf brachte gern eine Philippika gegen die Genußſucht und Geldgier der Zeit an; ſo kam er nicht aus der Uebung parlamentariſcher Beredtſamkeit, erntete, da er leicht und flüſſig ſprach, das Lob der Zuhörer und beſchwichtigte zugleich die mahnende Stimme des eigenen Gewiſſens. Weil er an eine thatſächliche Aenderung ſeiner Handlungsweiſe nicht glaubte, nach ſo vielen geſcheiterten Vorſätzen, zur Einfachheit und Natur zurückzukehren, begnügte er ſich mit der mora⸗ liſchen Verurtheilung dieſes Zeitalters und ſeines Götzen, des goldenen Kalbes. Daß er ſelbſt zu den Anbetern deſſelben gehörte, das war ſein trauriges,
aber unabwendliches Verhängniß. Frenzel, Silvia. II. 12


