Teil eines Werkes 
2. Bd. (1875)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

472

ihm zu entwerfen verſprochen, würden die Wände heiter und feſtlich ſchmücken. Wie er ſo umherſchaute, blieb ſein Auge eine

Weile auf dem Tiſche haften.

Er wußte, das Buch, das darauf lag, war Knebel's Lucrez. Wohin aber war das Tagebuch ſeines Vaters gerathen?

Als damals, nach jenem Unglücksabend, an dem Clara's Mutter geſtorben, die Zimmer wieder in Ord⸗ nung gebracht wurden, hatte er es vermißt und die Diener beauftragt, nach ſeinem Verbleib zu forſchen. In dem Drang ſeiner Geſchäfte und Vergnügungen, über Benno's Abreiſe und ſein Liebesabenteuer hatte er das Buch ſo gut wie vergeſſen. Mit ſeinen Fragen über die letzten Tage und Stunden ſeines Vaters war

er von Miß Ellen beſchieden worden: nichts als das

Plötzliche des Todes ſei ſchrecklich geweſen; über eine gewiſſe Beängſtigung habe der ſelige Herr wohl an ſeinem Sterbetage geklagt, doch hätte Niemand Gewicht darauf gelegt, da dies als das gewöhnliche Leiden des Herrn allen im Hauſe bekannt war. In ihrer ſanften, einſchmeichelnden Weiſe hatte Ellen ihn darauf gebeten, ſich nicht mit ſolchen Erinnerungen zu quälen, Gottes Rathſchluß hätte es einmal ſo gefügt und menſchliche Gedanken könnten weder die Tiefe noch die Weisheit

——

——