Teil eines Werkes 
1. Bd. (1875)
Entstehung
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angeſchloſſen zu haben, ſo wußte Clara kei nen aus⸗ reichenden Grund für ihre Anweſenheit in dem gelben Hauſe. Doch hatte ſie zu lange darin gewohnt, kannte zu genau alle ſeine Gelegenheiten und erſchien in ihren Aufträgen an die Dienerſchaft ſo ſicher und beſtimmt, um von Dora nicht entweder für die Haushälterin, eine entfernte Verwandte Bruno's oder doch für die Tochter eines Bedienſteten gehalten zu werden.

Daß ſie aufeinander angewieſen ſeien, empfanden ſie, ohne es auszuſprechen, mit weiblichem Feingefühl.

Dora's Verletzungen waren leichter Art und, wie ſie lachend verſicherte, keines Verbandes und keines Pflaſters werth, nur die Erſchütterung des Sturzes lähmte ſie noch. Der Schrecken, der in ihr nachzitterte, und Clara's Aufregung floſſen wie zwei verwandte ſeeliſche Strömungen zuſammen. So verſchieden auch die Urſachen ihrer leidenſchaftlich erhöhten Stimmung waren, jetzt umgab ſie dieſelbe elektriſche Wolke. Un⸗ ruhig, erwartungsvoll fragten ſie ſich mit ſtummen und doch beredten Blicken:„Wie wird das enden?“ und fürchteten zugleich, daß der luſtig ſchöne Traum durch die Meldung eines Dieners geſtört werden würde:„Der Wagen iſt vorgefahren.“

Der Wagen, der ſie dieſer phantaſtiſchen Welt

entführen ſollte! Frenzel, Silvia. I. 14