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Gerüchten, die ihn von allen Seiten beſtürmten, von der Unzufriedenheit ſeiner Soldaten, von verdächtigen Verabredungen, in dem Gefühl der Unſicherheit des Reichs, das er ſo plötzlich aufgerichtet, hatte ſich die Abſicht, eine neue Ehe mit einer Tochter aus altfürſt⸗ lichem Geſchlecht einzugehen, der Wunſch und die Nothwendigkeit, ſeine Herrſchaft einem Sohne zu ver⸗ erben, mit verſtärkter Kraft geltend gemacht. Bei dem Rieſenkampf mit Rußland, den er vorausſah, war es gut, ſich Verbündete zu erwerben. Um ſich nicht, wie bei der Werbung um die Schweſter des Kaiſers Alexan⸗ der, einer Ablehnung auszuſetzen, brachte er in ſeinen Unterredungen mit dem Fürſten Johann Liechtenſtein ſeine Scheidung, ſeine Wiedervermählung mit einer deutſchen Fürſtin als eine Möglichkeit zur Sprache. Er deutete an, daß ihm eine Dame aus dem öſter⸗ reichiſchen Hauſe die willkommenſte Braut ſein würde. Es fiel der Name Marie Louiſens. Konnte auch, ſo⸗ lange Napoleon noch nicht von Joſephinen geſchieden war, von einer mehr oder weniger offenen Bewerbung um die Erzherzogin nicht die Rede ſein, ſo wurde doch ſtillſchweigend dieſer Punkt von beiden Seiten als einer der entſcheidendſten im Friedenstractate betrachtet: von Napoleon's Seite die Forderung, die ſich in die Form
der Bitte kleidete, von ſeiten des Kaiſers Franz die 1*


