Teil eines Werkes 
5. Bd. (1873)
Entstehung
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als wollte keins dem andern geſtatten, länger als auf eine kurze Stunde die Leidenſchaften und die Phantaſie zu beſchäftigen. Erſt ſeit den letzten Tagen fing ein Ball, der überdies noch in der Vorbereitung war, an, die Aufmerkſamkeit aller Klaſſen der Geſellſchaft zu er⸗ regen: der obern, welche auf ihm glänzen und tanzen

ſollten, der untern, die den Saal bauten und ſchmück⸗

ten oder mit Nadel und Scheere an den Anzügen der Tänzerinnen arbeiteten. Es war das Feſt, welches der öſterreichiſche Botſchafter Fürſt Karl von Schwar⸗ zenberg dem neuvermählten Kaiſerpaar Napoleon und Marie Louiſe zu geben gedachte. Mit erſtaunlicher Pracht ſollte es gefeiert werden, gleichſam ein Zei⸗ chen der Einigkeit und Freundſchaft, die fortan Oeſterreich und Frankreich verbinden und den Frieden Europas ſichern würde.

Während der Verhandlungen zu Wien und Schön⸗ brunn im vergangenen September war der Gedanke einer Scheidung von Joſephinen in Napoleon's Seele zum unerſchütterlichen Entſchluß gereift. So oft er ihn früher erwogen, ſo oft hatte er ihn fallen laſſen, als ob ihn eine Stimme aus den Tiefen ſeines We⸗ ſens gewarnt, die Geliebte ſeiner Jugend, die Freun⸗ din und Genoſſin ſeines Ruhms und ſeiner Größe zu verſtoßen. Nach der Wagramer Schlacht, bei den