Teil eines Werkes 
4. Bd. (1873)
Entstehung
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Unglück ſeines Vaterlandes und die Schuld ſeiner Ju⸗ gend, die ihn bei dem allgemeinen Zuſammenbruch ſchärfer als jemals peinigte, zu vergeſſen geſucht. Seit dem Ausgang des Septembermondes verweilte er am Hoflager des Kaiſers Franz. So nahe und doch ſo fern von denen, nach deren Anblick er ſich Tage, Wo⸗ chen geſehnt, deren Geſchick ihn fortwährend, unabläſſig beſchäftigt er hielt dieſe Qual der Erwartung nicht aus, und unbekümmert um die Folgen, die ihm aus ſeiner verwegenen That erwachſen konnten, kam er nach Wien.

Was noch zu beſprechen, zu beklagen und zu be⸗ reuen war, verſchlang zunächſt die Freude des Wieder⸗ ſehens. Sich aus ſo gewaltigen Stürmen gerettet und im ſichern Port geborgen zu wiſſen, drängte bei allen dreien Vergangenheit wie Zukunft, Schmerz wie Furcht zurück. Auch das Verworrenſte mußte ſich jetzt freund⸗ lich löſen, die Beſonnenheit des Grafen im Verein mit Egbert's Zärtlichkeit Magdalenens erſchüttertes Gemüth beruhigen. Schon erwies ſich die Sorge, die ihr Wolfs⸗ egg's Ankunft bereitete, die Arbeit, als Ablenkerin trü⸗ ber Gedanken. Auch die Armharts kamen mit erhei⸗ terten Stirnen zum Vorſchein. Ueber dem ſo ſchwer bedrohten Hauſe, über dieſen ſo hart geprüften Menſchen

war die Sonne des Friedens aufgegangen. Frenzel, Lucifer. IV. 14