210
Nur eine traf ihr Strahl nicht. Abſeits von den
Andern trieb die braune Chriſtel ihr abſonderliches Weſen. Saumſeliger, in ſich verlorener war ſie nie geweſen als heute, wo Magdalene ihre Hülfe eifriger in Anſpruch nahm. Eine wunderbare Melodie ſummte ihr im Ohr, wie himmliſches Glockengeläut. Oben in ihrer Kammer lag zuſammengeſchnürt ihr Bündel. Un⸗ ruhig, fragend ſchweifte ihr Blick zu der Sonne empor, warum ſie ſo langſam ginge, ob es denn noch nicht Abend werden wolle? Der Abend mit roſig verdäm⸗ mernden Wolken und dann die Nacht mit ihrem dunklen feuchten Schleier, der Alles umſchloß, für die arme Chriſtel das Glück und die Freiheit. Welche Gefahren, welche Ungeheuer auf ihrem Wege auch lauern mochten, nicht auf immer kann ſich verirren, wer den Pfad in⸗ brünſtiger Liebe wandelt; ſpäter oder früher, einmal wird er ſich wiederfinden ſtill und ruhig in dem Schooß der göttlichen Liebe.
Ende des vierten Bandes.
Druck von Richard Schmidt in Reudnitz⸗Leipzig.
3 5 5


