Es war Egbert.
Das fehlte noch, ihr Elend voll zu machen, daß ſie ihm jetzt begegnen mußte. Vergebens ſah ſie ſich nach einem Ausweg um. Kein Ort, wohin ſie ent⸗ fliehen, wo ſie ſich, ihre Schande und ihren Jammer verbergen konnte. Mühſam erhob ſie ſich vom Boden, ſtrich das Haar zurück, ſchleppte ſich zur Thür und ent⸗ fernte den Riegel.
Aber als nun Egbert vor ihr ſtand, mit den treuen Augen, dem ſinnenden Zuge in ſeinem Antlitz, der ſo viel Güte und Wohlwollen, eine ſo feſte und beſchei⸗ dene Ritterlichkeit ausdrückte, hielt ſie ſich nicht länger und mit dem Ruf, der in Thränen und Seufzern er⸗ ſtarb:„Warum haſt Du mir das verſchwiegen!“ brach ſie zuſammen. Kaum, daß er ſie in ſeinen Armen auffangen und auf das Sopha tragen konnte. Er wollte nach der Mutter, nach der Magd rufen; ſie je⸗ doch wehrte ab.
„Laß es unter uns beiden bleiben“, ſagten ihre Blicke, da ihr Mund, den der Schrecken geſchloſſen, es nicht vermochte.
Schon beim Eintritt in ſein Haus hatte Egbert von der Anweſenheit eines franzöſiſchen Offiziers ge⸗ hört und war von einem Gefühl ungewiſſer Bangig⸗ keit beſchlichen worden Es vermehrte ſich noch, als er


