Teil eines Werkes 
4. Bd. (1873)
Entstehung
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hatte man ſie ſich in Träume einwiegen laſſen, die nie erfüllt werden konnten. Was ſie für Neigung und Zärtlichkeit gehalten, war nichts als die Sorge der Schuldigen geweſen, ihre böſe That zu verbergen. Statt der Wahrheit die Ehre zu geben, hatten ſie die Lüge verdichtet. Nun war doch die Sonne durch die Finſter⸗ niß gebrochen, aber nicht die Sünder, ſie, die Unſchul dige, hatte das Licht geblendet. Da lag ſie, eine dop⸗ pelt Verlorene.

Wenn ihr wahrer Vater noch lebte, wenn ſie ihn wiederſah, konnte ſie ihm ohne Erröthen in die Augen blicken, durfte er ſie ohne Zittern anſchauen? Und ihre Mutter! Wer war ſie? Wie würde ſie von ihr aufge⸗ nommen werden? Mußte dieſelbe in ihr nicht die Treu⸗ loſigkeit des Vaters und die eigene Schwäche haſſen?

Langſam hatte ſie den Oberkörper aufgerichtet und ſchaute, auf den rechten Arm ſich ſtützend, mit umflortem Blick umher.

Was wollte ſie noch hier? Gehörte ſie in den Kreis der Andern, der Sitte, der bürgerlichen Geſell⸗ ſchaft? War ſie nicht durch ihre Geburt eine Ausge⸗ ſtoßene, durch Gottes unerforſchlichen Rathſchluß eine Verworfene? Ein Kind der Liebe, eine Zigeunerin! Geſtern hatte es ihr Stolz, ihr feines Gefühl unerträg⸗ lich gefunden, in Wohlſtand und Behagen fortzuleben,