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fand eine Art Genugthuung darin, daß nun Alles ent⸗ ſchieden, daß die Löſung ſo plötzlich gekommen ſei. Beinahe freute es ihn, gegen den Kaiſer einen perſön⸗ lichen Haß nähren zu dürfen. Die Sache des Vater⸗ landes verſchmolz ſich mit der eigenen Sache, die er zu vertheidigen hatte. Nicht nur begünſtigte der Kaiſer ſeinen Todfeind Vittoriv, er hatte ihm den Freund entriſſen und in den Kerker geworfen. Seine dämo⸗ niſche Gewalt hatte Antoinette verwirrt, geblendet und verwandelt.
Den Königen nahm Napoleon ihre Kronen, den Völkern ihre Freiheit, ihm hatte er ſein ſchönes Ideal⸗ bild zerſtört. Das war der gefährlichſte Zauber dieſes Mannes, daß er auch das Höchſte zu ſeinem Dienſte zu erniedrigen verſtand, zu einer Sklaverei, welche für die Bethörten der Schimmer der Erhabenheit umfloß.
Zu ſolcher Erkenntniß gelangt man nicht ohne Enttäuſchung und ohne Schmerz, ſagte ſich Egbert. Mit reinem Gewiſſen komme ich zurück, mit freiem Herzen, aber um wie Vieles ärmer! Um den Blüten⸗ traum des Lebens ärmer!
Und doch, konnte er ſich beklagen? Zu den Schätzen, die es ſchon verſchlungen, verſchlang das Kaiſerreich auch ſein kleines Glück.
Eine tiefe Ruhe ſenkte ſich in ſeine Seele. Wie
Frenzel, Lucifer. III. 17


