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fen Mortigny, deſſen Gattin eine Schweſter ihres Va⸗ ters war. 4
Vor dem Freunde hatte ſie das Geheimniß ihrer Trauer, das ſie von jedem Feſte fernhielt, nicht be⸗ wahrt. Das Kriegsgericht hatte in Vittoria ihren Bruder zum Tode verurtheilt, der Kaiſer ihn zur Ge⸗ fangenſchaft auf den Pontons in Breſt begnadigt. Bis⸗ her waren alle Bemühungen der Mortigny, alle Bitt⸗ geſuche, die Antoinette an die einflußreichſten Perſonen gerichtet, vergebens geweſen; man vertröſtete ſie auf die Rückkehr des Kaiſers nach Paris. Gern würde die Kaiſerin Joſephine ihr eine Audienz bei Napoleon vermitteln; dann hinge es von ihrer Beredtſamkeit, von ſeiner Stimmung ab, die Freiheit ihres Bruders zu erlangen. Der junge Marquis befand ſich jetzt, das erfuhr der Graf Metternich von dem Kriegsminiſter, mit andern ſpaniſchen Gefangenen auf dem Marſche nach ſeinem Beſtimmungsort.
Mit dieſem Schmerz im Buſen konnte die ſchöne Deutſche— ſo nannten ſie Alle, die ſie geſehen— kein fröhliches Feſt zieren. Die Einſamkeit war ihr die liebſte Nahrung der Seele.
Im warmen Mittagsſonnenſchein iſt der Tuilerien⸗ garten von Spaziergängern überfüllt. Keine Wolke weithin am blauen Himmel und die Luft ſo mild, als


