Teil eines Werkes 
3. Bd. (1873)
Entstehung
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wälle ſteigen oder in die Vorſtädte flüchten. Da wa⸗ ren keine breiten, baumumhegten Spaziergänge, wie hier die Boulevards, keine Quais an einem ſchönen Strom, keine Prachtgebäude mit ſo freien und ſtolzen Fronten, wie der Louvre, das Tuilerienſchloß, der Lu⸗ rembourgpalaſt mit ſeinem Garten. In Wien über⸗ raſchte die Verſchiedenheit der Trachten, der Sprachen, der Völker, die ſich dort zuſammengefunden; in Paris hat das Gemeinſame und Gleichartige Aller etwas Ueberwältigendes. Nach Kräften ſucht der Fremde, der Provinziale ſeine Beſonderheiten abzulegen und im Schnitt ſeiner Kleidung wie in der Weiſe ſeiner Rede und ſeines Auftretens als Pariſer zu erſcheinen. Ein lebendiges Ideal ſteht hier vor ihnen, dem ſie nach⸗ ſtreben. Um keinen Preis will man der Lächerlichkeit anheimfallen. Mit dieſer Furcht vereinigt ſich in allen Kreiſen derſelbe Drang nach Auszeichnung, dieſelbe

ſchauſpieleriſche Eitelkeit. Es erregte Egbert's höchſtes

Erſtaunen, ſelbſt bei den Gegnern des Kaiſers, mochten ſie ſich nun im Stillen als Republikaner oder als An⸗ hänger der Bourbons zu erkennen geben, eine Schwär⸗ merei für das Kreuz der Ehrenlegion zu bemerken. Wer das rothe Band im Knopfloch trug, dünkte ſich über die Menge ſeiner Mitbürger erhaben.

An ſolchen Fäden, ſagte ſich Egbert, wird eine