Teil eines Werkes 
4. Bd. (1860)
Entstehung
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kehrt, daß der Beſte im Ort ein Mädchen nimmt, das im Zucht⸗ haus geſeſſen.

Dummes Zeug, eiferte er,ſür mich biſt Du beſſer, als damals, wo noch Keiner was auf Dich zu ſagen hatte, und ſelbſt zu Haus ſind Viele, die es zugeben, daß Du derzeit nicht ge⸗ wußt haſt, was Du anrichteteſt, daß Du die Strafe nicht ver⸗ dient und ehrlich Alles gut gemacht haſt, was noch gut zu machen war. Glaub' mir, manch' Einer läßt Dich grüßen und Dir Gotteslohn wünſchen, und wenn wir nicht im Orte Hoch⸗ zeit halten wollen, ſo iſt das nicht um der Bosheit der Leute, ſondern um der leidigen Neugier willen, die oft eben ſo weh thut als Schadenfreude. Wieder dahin gehen, wo man zu Falle gekommen, iſt unklug. Jetzt ſind die Leute mitleidig und reden nicht übel davon, aber auch dem Beſten kommt mal eine ſchlimme Stunde, und wenn ſie Dir Dein Unglück nur ein einziges Mal vorhielten, ſo wär's aus mit unſerm Frieden. Deshalb wandre ich aus, und dacht ich wenn ſie Dich lieb hat, geht ſie mit.

Durch die ganze Welt, ſagte ſie und gab ihm die Hand.

Philipp nickte ihr zu mit freudeſtrahlendem Geſicht;in Bremen habe ich ſchon Alles zur überfahrt fertig gemacht, fuhr er fort,da werden wir getraut und dorthin fahren wir noch heute. Des Vaters Grab, um das ich ein eiſernes Gitter habe ziehen laſſen, pflegt der Herr Paſtor, der mich gern hat und es mir in die Hand verſprochen hat. Seinen Segen kann der

Vater Dir ja nicht mitgeben in die weite Welt, aber am Abend

vorher, eh' ich fortging, ging ich noch mal auf den Kirchhof und pflückte die Roſen von ſeinem Grabe. Ich dachte: das iſt auch ein Gruß für die Margarethe, eine Erinnerung an die Heimath und an das, was wir uns heute geloben.

Sie ſagte nichts, ſie legte ihren Kopf an ſein gutes, treues Herz und ſchaute zu ihm auf mit dem leuchtenden Blick ihrer Jugend, in dem ſtatt des Übermuthes die Liebe ſtrahlte, wie ein

ewiges Licht. Und ſolch' ein Licht erliſcht nicht und trügt nicht,

es leuchtet dem Menſchen in guten wie in böſen Tagen und er⸗ hellt ſelbſt das Grab.