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zu Haus ging, da meinte ich, ich könnt's gar nicht überleben und mir war's auch gar nicht, als ſei ich daheim, da Du fort warſt und fort bleiben ſollteſt. Du weißt, daß das Gericht Dein Vermögen vertheilte zur Entſchädigung, das hat der frühere Herr Paſtor Dir ja noch geſagt, und da ließ ich mir denn auf mein Theil den Hof zuſchreiben, damit ich freie Hand in der Bewirthſchaftung hatte. Im Anfang wollt's nicht recht gehen mit der Arbeit, ich dachte immer nur an Dich und hatte zu nichts Luſt. Nach und nach aber ſah ich ein, daß ich mir und Dir kein gut damit that, griff rüſtig an und dankte Gott für jeden Tag, den ich hinter mir hatte. Nun, da hat's denn auch was vorwärts gebracht,“ fuhr er fort und ſeine ehrlichen Augen glänzten vor Freude;„wenn man weiß, wofür man ſich quält, wird's einem nicht ſauer und ich habe für Dich gearbeitet. Sieh, früher habe ich Dich Deinen Weg gehen laſſen, hab' nicht drein geredet und nicht gefragt, wenn's mir auch nahe ging, daß Du mich nicht heirathen wollteſt; dazu gehört mehr als ſatt eſſen und das Herz läßt ſich nicht regieren, dacht' ich. Aber an dem Tage, wo der Franz Dich in's Unglück brachte und Du Alles geſtandeſt, da verrietheſt Du auch, daß Du mir doch allein nur gut warſt und mich nur nicht genommen haſt, weil Du ſo rechtſchaffen gedacht haſt. An dem Tage kam Glück und Un⸗
glück zuſammen; das Leid iſt nun hinter uns, Margarethe, aber die Freude iſt noch da, denn wem Du einmal von Herzen gee⸗ ſagt haſt, daß Du ihm gut biſt, der vergißt es all ſein Lebtag 4
nicht mehr.“
Sie ſah ihn an, Glück und Hoffnung blitzten hell dure
ihre Thränen.„Und nun?“ fragte ſie. „Nun bin ich da und frage Dich, was ich vor dirrzchn Jaßren Dich gefragt, wo ich's hätte nicht thun ſollen, weil Du
ein Kind warſt: ob Du mir gut ſein und bleiben willſt Dein
Lebelang und mich zum Manne haben.“
„Mein Gott,“ ſagte ſie und wurde ganz blaß,„nun ſteht mir bei, daß ich's recht mache. Ich bin wohl geſund, aber ni⸗ mehr jung, Philipp, die Schönheit iſt hin und ich bringe Dir nichts mit, nicht mal einen ehrlichen Namen,“ fügte ſie leiſe


