Teil eines Werkes 
4. Bd. (1860)
Entstehung
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ſo einfach, als müſſe es ſo ſein, und bemühte ſich vergeblich,

ſeiner zitternden Stimme Feſtigkeit zu geben.

Sie bebte zuſammen bei dieſem lieben, bekannten Ton, der ihr Gottes Gnade und der Menſchen Liebe erſchloß, der auch ihr die Welt voll Pracht und Herrlichkeit zurückgab, vor deren Glanz ſie noch eben die geblendeten, thränenmüden Augen ge⸗ ſchloſſen. 1 Das vergelte Dir Gott, Philipp, ſagte ſie nur leiſe,ich hab's nicht verdient und kann's nicht gut machen..

Doch, doch, erwiederte er,deshalb bin ich ja hier; Du haſt Gott und den Menſchen Deine Schuld abgetragen, nun ſollſt Du auch gut machen an mir.

Sie ſah ihn erſchrocken und fragend an.*

Komm mit, fuhr er fort,Du zitterſt ja, daß Du nicht ſtehen kannſt und mit mir dreht ſich auch Alles rund, die Leute, die unſer Herzeleid nicht kannten, brauchen auch die Freude nicht zu ſehen. Hier, gleich um die Ecke, iſt ein Wirthshaus, da habe ich mir eine Stube geben laſſen, denn ich bin ſchon ſeit heute Morgen um ſechs in der Stadt und habe auf Dich gewartet, da ich wußte, daß Du heute frei kamſt.

Sie folgte ihm, wie im Traume, ſie konnte ſich gar nicht beſinnen, ſo hatte der freudige Schrecken ſie betäubt.

Das kleine Hinterſtübchen war recht freundlich und heimlich; ein weiß gedeckter Tiſch, den der Philipp auf's Beſte hatte zu⸗ eichten laſſen, ſtand in der Mitte, umher an den Wänden auf⸗ geſchichtet Kiſten und Kaſten, vornan der große, bunt bemalte 3 r, der ſchon Margarethens Mutter gehört hatte und vor Fenſter, in einem Waſſerglaſe, ein Strauß der ſchönſten . Margarethe ſah beklommen umher, die Heimath grüßte ius dieſen Sachen, doch es war ihr wie ein Willkommen und ein Scheidegruß zugleich, die Kiſten und das Gepäck ſahen

aus, wie eine Zurüſtung zu einer weiten Reiſe.

6Nun hab' ich Dich wieder und laſſe Dich nicht mehr fort, ſagte Philipp und nahm ihre beiden Hände und ſchaute ihr in die ſchönen Augen, die ihn ſo froh und doch ſo bang anblickten.

Als ich vor fünf Jahren, wo Du Deine

Strafe antrateſt, allein