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ſeiner tiefen Verworfenheit und Gott werde, um ihres innigen Gebetes willen, ihm helfen dazu. Allein Franz verſtand weder ihre Schuld noch ihre Sühne, er hatte ſie nie geliebt, und der Gedanke an ihr geknicktes Leben verkümmerte ihm keine Stunde.
Sonſt hörte ſie nichts; der Paſtor ihres Ortes, der ſie wohl beſucht hätte, war ſchon bei ihrer Verurtheilung beſtimmt, eine andere, weit entfernt liegende Pfarre anzutreten, und ſo ſah ſie ihn nur noch einmal, gleich Anfangs, wo er ihr mittheilte, daß ihr Hof dem Philipp zugefallen ſei. Der neue Geiſtliche kannte ſie nicht und Philipp hatte ſich niemals wieder ſehen laſſen. Im 6 Anfang wollten Gram und Sehnſucht nach ihm ihr den ſchwer errungenen Frieden faſt zu nichte machen, aber nach und nach fand ſie's natürlich, daß er nicht kam, und wenn ſie ſich in die Vorſtellungen hineinträumte, daß er nun wohl Weib und Kind habe, da freute ſie ſich faſt, daß er ſie und ihre Schande ver⸗ geſſen habe.
So vergingen die Tage und es kam der letzte ihrer Haft. Das Herz klopfte ihr ſtärker faſt, nun ſie ſcheiden ſollte, als da⸗ mals, wo ſie gebrochen im innerſten Herzen hier eintrat, und ſie fragte ſich bebend, was härter ſei, mit der Schande hinter die düſtern Mauern des Zuchthauſes zu fliehen, in die freilich nicht der Sonnenſtrahl dringt mit ſeinem entzückenden Glanz, aber auch nicht der neugierige ſtolze Blick der Menſchen, voll Kälte und Verachtung, oder hinausgeſtoßen zu werden in die weite, achende Welt, mit einem Herzen voll Jammer, einem Namen Schande, ohne ein Herz und eine Heimath, wo man Liebe hen könnte oder Schutz. Das Vermögen, das ſie noch beſaß, ſo gering, daß ſie jetzt in Dienſt treten mußte und ſie dachte Angſt daran, wie ſchwer ſie ein Unterkommen finden würde, auch der Director des Zuchthauſes, der ihr beſonders ge⸗ gen war, verſprochen hatte, ſich ſelbſt darum zu bemühen. Vor Allem mußte ſie erſt in die Heimath, um ihre Papiere in Ordnung bringen zu laſſen und das Ihrige an ſich zu nehmen, doas der Philipp bis jetzt verwaltet hatte. Das war ein ſchwerer, ſchwerer Gang! Warum doch klopfte ihr Herz ſo gewaltig, wenn
ſie an ihn dachte und an das Wiederſehen? wie würde es ihr
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