Teil eines Werkes 
4. Bd. (1860)
Entstehung
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324 ſeit ſie im Zuchthauſe ſaß und den Hof verloren hatte, und re⸗ den that er auch niemals von ihr. Aber um eine Andere küm⸗ merte er ſich auch nicht, er war noch ſtiller, als er geweſen war, wirthſchaftete aber auf's Beſte und war den Armen und Bedräng⸗ ten hülfreich, wie einſt Margarethe. In ſeinem Herzen freilich, da war's nicht immer ſo ſtill, wie auf ſeinem bleichen Angeſicht, das zitterte oft in unſäglicher Traurigkeit, wenn er allein durch die geſegneten Felder ging, die einſt ihr blühendes Eigenthum waren, wenn er einſam unter der flüſternden Linde ſaß, unter der ſie als jubelndes Kind geſpielt, und wo ſie ſpäter manchen lauen Sommerabend an ſeiner Seite geſeſſen. Wenn er die übrigen Mädchen im Sonntagsſchmuck zur Kirche wandeln ſah, geachtet und mit einem ehrlichen Namen, da zog ſein Herz ſich zuſammen in bittrem Weh, da gedachte er an Margarethe, die, obwohl gefallen, doch höher ſtand in ihrer demüthigen Reue, als Viele von denen, die nie gefehlt, und ſein treues Herz grüßte ſie voll immer gleicher Liebe hinüber über Berg und Thal, bis in

die einſame traurige Zelle des Zuchthauſes, die kein Sonnen⸗

ſtrahl ſchmückt.

Die trüben Tage eutfliehen wie die glücklichen, das ſtille Einerlei führt ſie unbemerkt, aber eben ſo raſch an uns vorüber, als die Freude in ihrem bunten, lieblichen Gewande; das empfand

auch Margarethe.

Jahre waren ſchon an ihr vorüber gezogen, ſeit ſie aus der lt geſchieden war, in welcher ſie die verzehrende Leidenſchaft Jugend und all die vergeblichen Wünſche, die ſpäter eine ee und ſtarke Liebe in ihr erweckte, zurückgelaſſen hatte. 3 Erinnerung an Philipp und ſeine Treue, an den Kampf ignen Herzens, das erſt ſo ſpät des Geliebten Werth er⸗ und dann ihm entſagen mußte im Bewußtſein der eignen Unwürdigkeit, dieſe Gedanken erfüllten freilich noch immer ihre ganze Seele, aber ſie hatte endlich die Wünſche bekämpfen ge⸗ lernt, die das widerſpänſtige Herz ſo lange genährt hatte. Früher

tief, ſo tief, daß ſie der Verſuchung widerſtand, Philipp's Weib zu werden, aber ſie hatte wenigſtens einen unbeſcholtenen Namen

hatte ſie wohl auch das Gefühl ihrer Schuld und es beugte ſie⸗

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