leidig gemacht. Da der enge Raum nicht alle Zuhörer faßte,
321
auf dem traurigen Wege nicht verlaſſen wollte, in dem wohlver⸗ ſchloſſenen Wagen des Letzteren in die Reſidenz abfuhr. Einige Stunden ſpäter wurde auch Franz, der ein hartnäckiges Schweigen 3 beobachtete, abgeführt; nach und nach zerſtreuten ſich die ſchwatzen⸗ gaffenden Gruppen und gingen an die Arbeit und Philipp 4 . in dem einſamen Hauſe, unfähig zur Ruhe, unfähig zur Arbeit, allein mit ſeinem Schmerze und ſeiner Angſt um Mar⸗ garethe zurück. Die gerichtlichen Unterſuchungen nahmen ihren langſamen, gemeſſenen Gang und es waren Monate verfloſſen, bis endlich der entſcheidende Tag des Urtheils ſich nahte. Der halbe Flecken 2 ar auf den Beinen und nach der Reſidenz geſtrömt, nur We⸗ ge noch mit Haß oder Schadenfreude, die Meiſten voll banger rwartung, denn Zeit und Nachdenken hatten ihre Herzen mit⸗
—
wogte auch auf der Straße vor dem Gerichtshofe eine erwartungs⸗ volle Menge, bis endlich hnach ſtundenlangem Harren ein Gens⸗ 9 d'arm die Thüren öffnete. 4
„Sie kommt, ſie kommt,“ tönte es durch die Reihen, aber unterſtützt von einem ſchwarzgekleideten Herrn wankte ſtatt ihrer ein Bauer heraus, deſſen Fuß ein wenig lahmte, todesbleich und mit erloſchenen Blicken. 3
„Wie iſt's, Philipp?“ ſchrie ihm ein Bekannter zu.
„Schuldig und auf fünf Jahre Zuchthaus, und der Sch ft der Franz, kommt frei davon,“ antwortete er mit Stimme, während der geiſtliche Herr, der ihn unterſtützte, Halbohnmächtigen nach einer der wartenden Droſchken drängte..
Doch die unerwartete Nachricht verbreitete ſich ohne Zuthun mit reißender Schnelligkeit, ſie wurde beſtätigt von den heraus ſtrömenden Zuhörern, die in Gruppen ſtehen blieben und ihre Entrüſtung, theils ihr Bedauern ausdrückten über ei theil, das ihren Wünſchen und vafinangan ſo ſehr wider⸗ ſtrebte, und das beſonders in Bezug auf Franz ihnen unerwar⸗ tet kam.
Nach wenigen Minuten mehlen die Polizeidiener Platz, die Menge theilte ſich und dies Mal kam Margarethe ſelbſt, von Golo Raimund's Novellen. Bd. 4. 21
1


