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Liebe, als die zum Franz; ſie machte mir den Kopf nicht wüſt und toll, aber ſie nahm mein ganzes Herz ein.“ Da zog der Philipp ſie dicht an ſich heran und drückte einen Kuß, den erſten, nach ſo manchem Jahr, auf ihre Lippen, und ſie lag an ſeinem Herzen, ſo ſtill, ſo beruhigt, wie ein verirrtes Kind, das die Heimath gefunden. 5„Warum ſagſt Du mir das erſt jetzt, in dieſer traurigen Stunde?“ fragte er.*. „Ich hatte genug Sünde auf mich geladen,“ antwortete ſie, „ich konnte nicht den, der mir von allen Menſchen der liebſte war, mit Schande bedecken. Nein, ich hoffte immer, Du ſollteſt ein braves Mädchen nehmen, die Dir auch Ehre macht, ich weiß es ja am beſten— es hätte Dirnirgend fehlgeſchlagen. Doch die Verſuchung war groß, als Du um mich freiteſt, das weiß Gott, und ich hätte es nimmer geſagt, wenn es nun nicht aus wäre für ewig.“
In dieſem Augenblicke trat der Paſtor herein, der die K von Margarethens That ſchon ernemmen ie — herbeigeeilt war. Margarethe war immer ſein Lieble
er war daher tief betrübt, daß er ſo gar keinen rettend weg ſah und auch den geängſteten Philipp nicht u 1 4 sſage wieder
Dann kam der Bürgermeiſter, vor dem ſie ihre ſ„olte und es wurde nun beſchloſſen, Margarethe, der Sicherheit und der herkömmlichen Ordnung wegen, auf dem Rathhauſe un⸗ terzubringen, wohin auch der Franz abgeführt wurde. Die Auf⸗ regung im Flecken war ungeheuer; nach und nach überlegte man wie viel Margarethe bereits vergütet habe und ein Ausſpruch Bürgermeiſters, daß ihr Vermögen groß genug ſei, um nach einer wahrſcheinlichen Veſtimmmund des Gerichtes Jedem zu dem inigen zu verhelfen, verbreitete ſich raſch und verſöhnte man⸗ aufgeregte Gemüth. Die Meinungen theilten ſich, neben Verwünſchungen wurden auch Vertheidigungen laut, die Streitenden geriethen förmlich aneinander, der Bürgermeiſter hatte ordentlich Mühe, die Parteien auseinander zu bringen und


