Teil eines Werkes 
4. Bdchn (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

180

in dieſem Augenblick über uns Alle weit, unendlich erhaben. Das Eintreten meines Fritz unter⸗ brach unſer Stillſchweigen: er brachte den er⸗ ſten Blumenkranz, ein Gewinde von Schneeglöck⸗ chen und Immergrün, und legte ihn ſchüchtern auf Angela's Schooß.Mein Vater, kränze Du ſie! bat das Kind:ich kann ſie noch nicht er⸗ reichen!Ich auch nicht! ſeufzte es dumpf aus meiner Bruſt empor, aber Angela neigte ihr

Haupt zu dem Kinde, und als ſie den Kranz em⸗

pfangen, ſagte ſie freundlich:Heute iſt mein Eh⸗ rentag!.

Ich warf einen ſcheuen Blick zu der Strahlen⸗ den empor: ſie bot mir ſanft die Hand.Gott iſt mein Zeuge, Herr Superintendent, rief ſie begeiſtert,daß Ihre Verſöhnung mit mir der

ſchönſte Augenblick meines Lebens riſt! Ich zog

ihre Hand an meine glühende Stirn; ſie ließ ſie ruhig dort liegen, mir war, als fühlte ich die rei⸗ nigende Kraft ihres Weſens in meine Seele über⸗ gehen, den Segen mir noch heiliger zurückgeben, den ich einſt auf Ihr Haupt legte.Mein Leh⸗ rer, mein Freund, tröſtete ſie mit ihrer beruhi⸗ genden Stimme:fortan kein Kummer, kein Zweifel! Wir ſind Eins in Gott, und theilen ein unausſprechliches Glück! Sie fuhr nun mit freundlicher Stimme fort, mich von ihren