löſen und aufklären wird, und daß wir dann alles erkennen werden, wie und warum es ſo und nicht anders geſchehen mußte?“— Ich bejahte ihre Frage nach der Hoffnung, auf die uns das Chri⸗ ſtenthum hinweiſt.——„So iſt alles gut!“ ſag⸗ te ſie ſanft:„So werd' ich auch dort mit allen Menſchen verföhnt ſein, wenn auch mein früher Tod noch Manches im Dunkel zurückläßt!“—— Sie betete hierauf ſtill vor ſich, und richtete ſich auf, um meinen Segen und das heilige Sakra⸗ ment zu empfangen. Als ich darauf das Gebet über ſie ſprach, blickte ſie mich einen Augenblick an, mit einem Blick, o Walter!— der die Schuld eines ganzen Lebens hätte verſöhnen können. Ihre Lippen bewegten ſich, als wollte ſie ſprechen, aber ſie lächelte nur ſtill, ihr Haupt ſank langſam zu⸗ rück, ihre Augen ſchloſſen ſich üde;— mein Amt war vollzogen.—
Ich faßte ihre Hand, der Puls ging matt aber ruhig. Sie kann noch nicht ſterben! ſo rief es gewaltig in meiner Bruſt,— und— als müß⸗
te ich ſelbſt der Gefahr entgegenkämpfen, verwan⸗
delte ſich jeder Schmerz meiner Seele zu einer Kraft, die muthig hinausſtrebte, um die theuere Beute dem Tode zu entreißen.
Ich ſchlug in meinen Bücharn nach, ich rief
alle Erfahrungen zuſammen, ich eilte dem Arzt


