Teil eines Werkes 
4. Bdchn (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

40

derſelben mit, die ich der Güte der Münter ver⸗ dankte. Ich las ſie ſelbſt vor, und hatte zufällig das Gedicht mit herausgezogen, welches ſie mir damals in ihrem ſchwärmeriſchen Bekehrungseifer zugeſtand. Ich bemerkte, daß Norden, der zuge⸗ gen war, gleich bei den erſten Zeilen unruhig wur⸗ de, aufſtand, im Zimmer auf und ab ging, einige⸗ mal über meine Schultern blickte, und endlich, als ich beendet hatte, mich mit erzwungener Ruhe frug, wie ich zu dieſem Gedicht gekommen ſei? Ich erwiederte ihm, wie es auch wirklich der Fall war: die Comteſſe habe es mir zum Andenken eines ihr geleiſteten Verſprechens zugeſtanden.In Wahr⸗ heit? ſagte er, mich mit ſeinen finſtern Augen fixirend; ich betheuerte es ihm auf meine Ehre, und zeigte einige Empfindlichkeit über ſeine Frage. Er blickte noch einmal auf die Handſchrift, biß die Lippen zuſammen, und trat dann an's Fenſter. Ich ſprach mit dem Grafen ruhig über denſelben Gegenſtand fort, und erfreute ihn durch die Be⸗ wunderung, die ich ſeiner geiſtreichen Tochter zoll⸗ te. Norden hatte lange, ohne an unſerm Ge⸗ ſpräch Theil zu nehmen, auf ſeinem vorigen Platze geſtanden. Als er wieder zu uns trat, fiel dem Grafen ſeine ungewöhnliche Bläſſe auf. Ein zu⸗ ckendes Lächeln flos um Nordens Lippen. Er be⸗ theuerte ihm, er ſei vollkommen wohl, und knüpfte Angelg IV. 3