Teil eines Werkes 
4. Bdchn (1831)
Entstehung
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Der Unſchuld? lächelte die Münter:mein Engel, beurtheilen Sie doch nicht immer die Men⸗ ſchen nach Ihrer unverdorbenen Natur! Es gibt des Scheines und des Truges gar viel! Frau von Bören war ſogar kühn genug, eine Maske zu ver⸗ ſchmähen, wodurch ſie den Anſtand wenigſtens zu retten vermochte, wenn auch ſie hielt, von meinem Blicke gehalten, inne, ich vermochte nicht mehr mit ihr zu ſprechen, ich wendete mich hoch⸗ erröthend von ihr ab, und ging nach meinem Zim⸗ mer, wo ich mit Mühe die aufgeregten Gefühle meines Herzens zu bezwingen verſuchte.

Alſo ſchweigen ſoll ich, ſchweigen? Ich werde ſehen, wie lange ich mir es ſelbſt erlauben kann! Trifft ſich eine Gelegenheit, wo ich der Unglück⸗ lichen einen Dienſt erzeigen kann, ſo wäre ich meines Vaters, meines Lehrers nicht würdig, wenn ich die Pflichten der Freundſchaft, der Menſchlichkeit einer kleinlichen Rückſicht, einem Scheinvortheil meiner ſelbſt, opfern könntel

Möge bald dieſe Gelegenheit kommen, und ich Herminen beweiſen können, wie ich ihr mehr glaube, als allem Schein gegen ſie, als den ge⸗ häſſigen Urtheilen der Welt. Leben Sie wohl, meine Liebe!