— 9—
und wünſchte mir eine gute Nacht, die aber bei dem erſten Blick auf meine Umgebungen wohl ſchwerlich zu erwarten war. Ich bat den Rittmei⸗ ſter, die ſchleunigſte Sorge zu tragen, mich bald in Freiheit zu ſetzen,— er verſprach mir, ſeinen Bedienten durch's Fenſter zu expediren, um ſo ſchnell als möglich Rath zu ſchaffen, und empfahl ſich darauf nochmals.— Der Wirth, ein alter eingetrockneter Mann, ein Uhrmacher, wie ich aus ſeiner Beſchäftigung ſah, ſchob mir einen alten Lehnſeſſel zum Tiſch, bat mich, meine Bequemlich⸗ keit zu gebrauchen, und arbeitete ruhig an einer Stutzuhr fort, der er die Stundenſchläge fortwäh⸗ rend repetiren ließ, was oft unheimlich in der dü⸗ ſtern alterthümlichen Stube klang.— Seitwärts ſtand ein Gardinenbett, aus dem das Stöhnen einer Kranken hervortönte.—„Wer liegt dort?“ frug ich den Alten.—„Meine Frau“ò, erwie⸗ derte er trocken:„„ſie hat die Schwindſucht, und naht ihrem Ende.““— Ich ſchauderte zuſammen, und das war der Moment, wo ich gewiß das Uebel empfing, das mir die Tage ſo viel zu ſchaf⸗ fen machte. Ich blätterte, da keine Ruhe in mei⸗ ne Seele kommen konnte, und ich den Sinn von der Todtkranken abzuwenden bemüht war, in ei⸗ nem auf dem Tiſche liegenden Buche.— Es wa⸗ ren Youngs Nachtgedanken. Ich ſchlug es auf,


