Hundertfünfzehnter Brief.
Hermine von Bören an Frau von Alboin.
Aus der Reſidenz, im Juni 18**
Ich bin ſeit einigen Tagen krank, liebe Alboin, und muß ganz gegen meine Gewohnheit die Stube hüten. Eine Erkältung, und eine damit verbun⸗ dene Alteration hat mir ein Fieber zugezogen, wenn es nicht etwa gar eine Anſteckung war, die ich aus einem Krankenzimmer, wohin mich der ſelt⸗ ſamſte Zufall verſchlagen hatte, nach Hauſe brachte. — Ich war doppelt in Kummer, daß mich das Uebel traf, da ich nun ganz allein bin;— wäre nicht die gütige Angela meine treue Pflegerin ge⸗ worden, ich hätte die Qual meiner Abgeſchiedenheit noch tiefer empfunden. Das gute Kind kam ſo⸗ gleich, als ich ihr durch ein Billet meinen Zu⸗ ſtand gemeldet, mit einer Eil, einer Beſorgniß, als gelte es, das Leben einer theuern Schweſter


