Teil eines Werkes 
4. Bdchn (1831)
Entstehung
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Stolz dafür einzuſetzen vermag! O, meine Schweſter, warum iſt der Kranz ſo reich geſchmückt, ſo voll, ſo üppig, mit dem ſich der Leichtſinn vor uns brüſten darf, und die Dornenkrone der Tugend ſo ſchwer, und dennoch ſo wenig beachtet! Du ſagſt, weil der Glanz des erſteren ein irdiſcher iſt, und bald in grauſen Moder verfällt, indeß die Dornen des Lebens unverwelkliche Roſen tra⸗ gen. Ein ſchöner Gedanke, aber die Weltkinder genießen eines dauerndern Vergnügens, als es nach den Geſetzen des Rechts ſein ſollte. Wer wagt es, Herminen zu tadeln? Sie ſchwelgt an der Ta⸗ fel des Genuſſes und der Ehre, indeß ich ent⸗ behre und verkannt werde; ſo, Geliebte, ver⸗ hält ſich der Leichtſinn zum Ernſt, das Laſter zur Tugend! Zu Ende der Woche geht der Rittmei⸗ ſter zu ſeinem Regiment ab. Ich habe dann we⸗ nigſtens den Vortheil, ſeinem Abſchiede mit größe⸗ rer Ruhe entgegenſehen zu können, als ich hoffte, und iſt dies nicht ſchon einiger Lohn für mein Ent⸗ ſagen? Lebe wohl, o Geliebte!