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zeitig genug ſeinen Charakter durchſchauen!“ Ich
ſchwieg und wiederholte mir im Stillen den Na⸗ men Wotoch, um dem armen Flötenſpieler in mei⸗ nem Herzen das Unrecht abzubitten, das ihm viel⸗ leicht unwiſſentlich der Vater gethan hatte.
So legten wir, ohne dieſen Gegenſtand wei⸗ ter zu berühren, unſern Weg zurück. In Warm⸗ brunn wogte die Menge in Feſtesſchmuck bunt durcheinander, einzelne Muſikchöre ließen ſich von verſchiedenen Seiten hören, alles athmete das Le⸗ ben der Freude, des heiterſten Genuſſes. Ich lag am Fenſter und ſah in das luſtige Getümmel hin⸗ ein, indeß mein Vater, einer Einladung zufolge, ausgegangen war. Eben verfolgte ich mit meinen Blicken einige ſchöngeputzte Damen,— als ich auf’s Neue unſern Fremden erblickte, der langſa⸗ men Ganges die Straße herauf kam. Ich fuhr, von einer unwillkührlichen Angſt ergriffen, raſch
mit dem Kopfe zurück, ich weiß nicht, ob er mich geſehen hatte, denn ich ſchloß das Fenſter ſo ſchnell ich konnte.
Wie groß war aber meine Ueberraſchung, als ſpät am Abend, wo alles auf den Straßen ſtill und ruhig geworden war, ſich eine Flöte unter un⸗ ſerm Fenſter hören ließ, und ich an dem ſchönen Vortrage und den kühnen Uebergängen ſogleich un⸗ ſern Virtuoſen wieder erkannte. Noch war ich


