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und zog eine Flöte langſam hervor, indem er ſich artig gegen mich verbeugte, und um die Erlaubniß bat, mir zu Ehren ein milderes Echo erwecken zu dürfen; mit Freuden gewährte ich ihm, denn die Flöte, das wiſſen Sie, liebe Richardis, war ſtets mein Lieblingsinſtrument. Es begann nun ein Adagio in ſanften ſchmelzenden Tönen;— es war, als wollte er uns durch ſein zartes Spiel den vo⸗ rigen Eindruck vergeſſen machen, ſo hauchte er das tiefſte innigſte Gefühl, den Geiſt ſanfter Weh⸗ muth, in langgehaltenen ſüßen Tönen aus; ein von Schmerz und Sehnſucht gepreßtes Herz ſchien ſich in dieſen Melodien Luft machen zu wollen,— ſich kund zu geben dem erſtaunten Gemüth, ohne der Worte zu brdürfen; jetzt ging er aus dem ſchwermüthigen Takt des erſten Stückes, mit ei⸗ ner kühnen Cadenz in die ſchöne Polonaiſe über, die als das Schwanenlied eines jungen Polen be⸗ kannt iſt, und ſchloß, indem er gleichſam alle Ton⸗ leitern der Gefühle durchlaufen, mit dem Ausdruck der wildeſten Verzweiflung, den Kampf der durch⸗ einander fluthenden Töne.—
Mein Vater, der ein Kenner der Muſik iſt, konnte nicht umhin, ihm einige artige Worte über ſein treffliches Spiel zu ſagen,— doch däucht mich hätte er noch mehr Lob verdient, und gern hätte ich es ihm mit dankbarem Herzen geſpendet, wenn
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