Allmählig begann ſich die ſchwarze Wolke, die
vor meinen Augen lag, zu verziehen, ich gewann wie⸗ der Muth, frei um mich her zu ſchauen. Der Him⸗ mel lachte ganz hell und freundlich auf uns herab, und bildete einen wunderbaren Contraſt mit dem finſtern Charakter der Tiefe. Oben das Auge der Liebe, der himmliſchen Milde, unten das Bild des Entſetzens, der wild ergreifenden Verzweiflung. „In dieſe Tiefe verbannt zu ſein, hieße dem Wahn⸗ ſinn unerbittlich zum Opfer gebracht werden.
„Wie gering“, begann mein Vater,„erſchei⸗ nen die Werke der Kunſt und der irdiſchen Macht, verglichen mit den Rieſenarbeiten der Natur! Wie ſinken die Koloſſe und die gigantiſchen Gebäude,
die Menſchenhände mühſam in Jahrhunderten auf⸗
thürmten, im Angeſicht dieſer Schöpfungen zu arm⸗ ſeligen Pygmäen herab!“„„Und doch““, erwie⸗ derte Norden,„„iſt etwas in unſerer Bruſt, das dieſe Höhen überragt! Es iſt der Gedanke, der weit über die Pole der Schöpfung hinausreicht; der den Gipfel des Chimboraſſo überfliegt, und in
die geheimſten Tiefen der Erde dringt! Ein Be⸗
weis, daß die Größe des Menſchen nicht nach dem
Werk ſeiner Hände, nicht nach den Trophäen ſei⸗
ner Macht, daß ſie allein nach der heiligen Kraft
beſtimmt werden darf, die, von der Gottheit aus⸗
gehend, ihn allein zur Gottheit erhebt! Es iſt Angela I. 11
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