Teil eines Werkes 
1. Bdchn (1831)
Entstehung
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Strome geworden, und weit hin über die Wieſen

ſpielten die rieſelnden Fluthen. Aber noch ragte der Steg über das Waſſer empor, und ſie eilte wohlgemuth durch die flachen Wellen, hochgeſchürzt und ſchnellen ſichern Schrittes, bis ſie den Steg gewann. Faſt wollte es ihr bedünken, als ſchwim⸗ me der Steg mit ihr dahin, die Wellen netzten ihr oft die Sohlen, und glänzten in ſo wunderba⸗ ren Farben, daß das Mägdlein wie geblendet da⸗ ſtand, und ihr faſt unheimlich zu Sinne ward. Sie wandte ihre Blicke aber von den Fluthen ab, und ſah gerade vor ſich hin, und ſchritt ſo keck und beherzt, bis ſie am Ufer war, und das Städt⸗ chen hell im Sonnenglanze vor ihr lag.

Nun holte ſie freien Athem, und eilte mun⸗ tern Sinnes zum Thore hinein. Und an dem Markt war ſie gekommen, und wollte das Garn herausnehmen aus dem reinlichen Körbchen, aber ſiehe es war leer, und kein Faden darinnen. Sprachlos ſtarrte Dorilla vor ſich hin, der Schre⸗ cken raubte ihr Wort und Gedanken, betäubt ſank ſie auf die Stufen eines hohen Gebäudes, und weinte tief und ſchmerzlich, als wollte ſie ſich auf⸗ löſen in Thränen und Jammer; die Vorüberge⸗ henden blieben vor ihr ſtehen und ſahen, theils be⸗ deutend, theils ſpöttelnd auf ſie hin; Keiner aber frug um die Urſache ihres Kummers. Das Garn