da wäre ja die Kranke ganz ohne Pflege geweſen, und daran durfte ſie ja erſt gar nicht denken; da⸗ her ſuchte ſie ihren Troſt im Gebet, und ließ nicht ab zu hoffen, der Himmel würde ſie doch nicht ganz derlaſſen, und ſich gewiß einſt hülfreich offenbaren. Es begab ſich aber, daß Dorilla eines Tages zu Markte wollte, um ihr Garn zu verkaufen, wel⸗ ches diesmal ganz überaus fein war, und ihr einen artigen Gewinn verſprach. Es war im erſten Frühjahr, wo die Bergſtröme höher ſchwollen, von dem geſchmolzenen Schnee, weit übertretend aus den engen Ufern und ſich Wege bahnten über nahe Ferder und Wieſen, daß die Straßen und Fußſtei⸗ ge oft unzugänglich und gefährlich wurden.
Als nun die kleine Dorilla durch das Dörf⸗ chen ſchritt, ſo ſprach ſie mancher Nachbar an, ſie warnend vor dem reißenden Bergwaſſer, das über Brücken und Steige vorgedrungen war, und weit hinein in den Wald brauſte. Aber das Mädchen ſagte muthig:„Kenne ich doch den Weg ganz ge⸗ nau, und den breiten Steg, zumalen am hellen ſonnigen Tage! Macht euch deshalb keinen Kum⸗ mer um mich, ich komme wohl mit Gott glücklich an Ort und Stelle. Und ſie ſchritt muthig und ſchnell zum Dorfe hinaus, und über die Wieſen dem nahen Walde entgegen. Schon hörte ſie das Rauſchen des Waſſers, der kleine Fluß war zum
Angela I. 10


