Teil eines Werkes 
1. Bdchn (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2/

Marie hatte mir einen Knaben geboren; mit tie⸗ fer Rührung genoß ich den hohen Segen des Va⸗ terglücks. Aus dieſer Zeit erhielteſt Du mehrere Briefe von mir, die Dir von meiner Zufriedenheit die untrüglichſten Beweiſe gaben.

Ach, warum gleicht doch alles im Leben der wechſelnden Welle? Warum verzehrt eine Zeit ſo gierig die andere? Sollte dem Glück auf Erden nur eine kurze Stunde angewieſen werden?

Mit unermüdlicher Sorgfalt wachte Marie über das Gedeihen ihres Kindes. Alle ihre Kräfte, ihr Sinnen, ihr Denken, ſchien von nun an in dem allmächtigen Gefühl der Mutterliebe unterzugehen. Ich konnte es nicht tadeln, ob ich mir gleich geſte⸗ hen mußte, daß mein verwöhntes Herz darunter allmählig zu leiden anfing. Sie war ſelten um mich, und geſchah es, ſo raubte ihr die Aengſtlich⸗ keit, mit der ſie des Kindes gedachte, alle ſonſtige Heiterkeit und Anmuth. Um nicht der Qual pein⸗ licher Langeweile ausgeſetzt zu ſein, ſah ich mich genöthiget, wieder zu meinen früheren Beſchäftigun⸗ gen Zuflucht zu nehmen. Ich trieb wie ſonſt mit Eifer die Muſik, ich fing an wie damals meine Stunden in regelmäßige Studien einzutheilen. Neue Bucher, neue Muſikalien wurden angeſchafft, ich las und ſchrieb viel und richtete mich allmäh⸗ lig wieder in meine frühere Lebensweiſe ein. Bis⸗

2 21