355 9. Das rothe Halsband.
Ognahs lange Geſtalt ſchlüpfte geräuſchlos durch die angelehnte Thür. Er kroch auf Händen und Füßen.
Als ſeine Beine die Schwelle hinter ſich hatten, hielt er an, drehte den Kopf mit der unruhigen Leb⸗ haftigkeit eines wilden Thiers und ſtieß die Thüre mit dem Fuße zu.
Im Hof und im Garten rief man:
„Oguah! Oguah!“
Der große Häuptling lachte ſtille, und es war ſeltſam, auf dieſem beinahe hundertjährigen Antlitz den ſchlauen Muthwillen der Kindheit wieder zu finden.
Neugierig ſchaute er ſich um. Beim Anblick der an den Fenſtern verſammelten Perſonen, welche ihm den Rücken wandten, öffnete ſich ſein Mund, wie zu einem Ausruf des Erſtaunens, allein kein Laut drang daraus hervor.
Er richtete ſich auf die Knie. An ſeinem Halſe hing an einem von dem Stroh ſeines Lagers geflochtenen Schnürchen ein kleines Medaillon, das ihm bis auf die Bruſt hinabreichte.
Man hätte es für ein Miniaturbild halten können, das aus einer Doſe, die ihm als Einfaſſung diente, herausgenommen war.
Er war höchſtens drei Schritte von der Frau Her⸗ zogin weg, die in ihrem Lehnſtuhl hinter dem Vorhang der äußerſten Fenſtervertiefung ſaß; allein dieſer Theil des Sales war, wie wir ſchon geſagt, von den Lichtern am weiteſten entfernt. Alles blieb dort in verworrenes Halbdunkel gehüllt.
Die alte Herzogin hatte Oguah nicht bemerkt und fuhr fort, mit ihren todten Augen in's Leere zu ſtarren.
Indeſſen war es draußen immer unruhig geblieben; man ſah den Fackelſchein unter den Bäumen des Gartens


