346
Indeſſen war Jean⸗Marie Biot hereingetreten und hielt ſich, den Hut in der Hand, rechts von der Thüre.
„Die Frau Herzogin Wittwe von Maillepré,“ ſprach er mit lauter Stimme.
Die alte, ſteife und ausgetrocknete Dame erſchien auf der Schwelle. Dieſe ungewohnte Feierlichkeit ver⸗ urſachte ihr eine vage Empfindung von Stolz und Vergnügen. Sie hielt ihr Haupt, das kein Leben mehr in ſich hatte, unwankbar gerade.
Weſtern ergriff ehrerbietig ihre Hand und führte ſte zum oberſten Lehnſtuhl auf der andern Seite des Tiſches, dem Herrn Herzog von Compans⸗Maillepré gegenüber.
Die alte Dame ſetzte ſich, ohne ihren ungelenken Körper zu beugen, und ließ langſam ihren geſpenſtigen Blick über die Verſammlung gleiten.
Durandin lächelte jetzt in den Bart. Auf den Zü⸗ gen des Herzogs lag Entſetzen und Grimm.
„Der Herr Marquis von Maillepré!“ kündigte Jean⸗Marie Biot wieder an.„Fräulein von Kergatz! Fräulein von Naye!....“
Von Kopf bis zu Fuß ſchwarz gekleidet, kamen nun Gaſton, Charlotte und Sancta und nahmen auf den nre leer gebliebenen Stühlen neben der Frau Herzogin
latz.
Beim Anblick Sancta's üͤberlief den Herzog ein Schauer, er erblaßte unter der Schicht von Schminke, welche die Runzeln ſeiner Wange bedeckte.
Er wandte ſich etwas abſeits, um Gaſtons Blick
nicht zu begegnen, der ſtolz und ernſt auf ihn hernie⸗
der ſah.
Durch dieſe Bewegung ſielen ſeine Augen auf die alte Dame, deren ſtiere, gläſerne Augäpfel in dieſem Augenblicke auf ſein Geſicht hinſtarrten.
Etwas Seltſames regte ſich in ihm, eine dumpfe Angſt beklemmte ſeine Bruſt.
Er beugte ſich zu ſeinem Geſchäftsmanne hinab


