Teil eines Werkes 
7.-11. Bdchn (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

ihr Thun ſorgfältig verborgen. Ihre Intriguen waren mit jener unerhörten Kunſt weiblichen Scharfſinns an⸗ gezettelt und durchgeführt worden. Sie hatte immer einen Liebhaber, aber nicht immer den Gleichen. Ihr Gemahl ahnte das, weil er es befürchtete, Herr Burot manövrirte. Vergeblich! Der Liebhaber der Frau Her⸗ zogin war ein nicht zu ergründendes Ding.

Die Frau Herzogin legte einen Takt, einen An⸗ ſtand, eine Gewandheit, die nicht genug gelobt werden könnten, in dieſe Handlungsweiſe. Bei vorurtheilsfreien, etwas philoſophiſchen Leuten, wurde ſie beinahe für eine Tugend angerechnet.

Aber eines ſchönen Tages hörte ſie ganz natürlich und ohne allen Uebergang plötzlich auf, ſich Zwang an⸗ zuthun.

4 Leon du Chesnel war der herrſchende Liebhaber.

Die Frau Herzogin trieb dieſe Liebſchaft öffentlich mit aller Anmuth der Welt. Man redete davon. Der Herzog war nun im Falle, die Geſchichte ganz wie der Gemeinſte der Sterblichen zu wiſſen.

Er gerieth in ungeheuren Zorn. Eines Abends, als er aus ſeinem Zimmer in der Stadt zurückkam, wo Burot ihm eben mit einem armen, von ſeiner Mut⸗ ter, einer alten Jung⸗Primadonna des Vaudeville, ver⸗ kauften Mädchen, aufgewartet hatte, kam der Herzog nach Hauſe mit dem feſten Entſchluß, Gerechtigkeit zu handhaben.

Der Ernſt ſteht Leuten mit gutem Gewiſſen, wie das des Herzogs war, gar gut!

Man ſtelle ſich Othello vor, der ein Zimmer in der Stadt beſitzt und ſo eben von einem Liebeshandel kommend, den Dolch gegen Desdemona zuckt.

Auf der Treppe ſeines Hotels traf der Herzog Leon du Chesnel an, der ihn mit unterthanigſter Ehrerbie⸗ tung grüßte..

Mein Herr, ſagte der Herzog mit der ganzen

5 5