Teil eines Werkes 
4.-6. Bdchn (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

47

Ich fürchte, Sie irren ſich.

chn ich irre mich nicht, unterbrach ihr Sancta. mit leiſer, zitternder Stimme..

O, wie ſüß, wie lieblich klang ihm dieſe Stimme, die er nie zuvor gehört hatte, ſo altbekannt, ſo befreun⸗ det und doch ſo neu!

Er näherte ſich ihr langſam, die Bruſt ſchlug ihm, das Herz kam dem Geſicht zu Hülfe, er rieth mehr, als daß er ſah....

Wär's möglich? ſagte er mit unmerklich zitternder Stimme.Zu mir.... um meinetwillen?

Nein, um ſeinetwillen, ſiel Sancta flüſternd ein.... 1 Und damit ſchlug ſie den Schleier zurück und Ro⸗ meo ſah in Sanctas liebreizendes engelreines Antlitz, deſſen holdſeliges Lächeln ihm, wenn er hinter der Gar⸗ dine ſtand, die Bruſt mit unſäglichem Entzücken ſo oft erfüllt hatte; in dieß Antlitz, das der Glanz jungfräu⸗ licher Reinheit wie mit einer heiligen Glorie umgab....

Aber ach! wo war dieß ſüße, wonnige Lächeln ge⸗ blieben? Das tiefe Blau der großen Augen war umflort und an den müden Wimpern zitterten ſchwere Thränen.

Romeo war erblaßt, er wagte keine Frage mehr.

Um ſeinetwillen! wiederholte Sancta nach einer Pauſe, ſchluchzend,Ja, er muß ſterben, wenn Keiner ihn rettet...

Ich will ihn retten! ſiel Romeo haſtig ein... Was ſoll ich thun?

Ach mein Gott, erwiederte das arme Kind,wüßt⸗ ich's nur....

Sie dachte ſo wenig daran, den Grund anzugeben warum ſie gekommen, als Romeo über dieß Vergeſſen erſtaunt war.

Hören Sie auf zu weinen! tröſtete ſie Romeo.... Ich will ihn retten, wie groß die Gefahr auch ſei.... O, Fräulein ich kenne und liebe ihn.