vor der Büſte zu, ſo daß ſie gänzlich verſchwand. Er lauſchte, hörte aber Nichts.
„Was Teufel machſt Du da, Croquignole?“ rief der Bildhauer.
Croquignole war ein blutjunger Freund und Gönner der ſchöͤnen Künſte. Nach dem Vorbilde der alten Edel⸗ herrn, von welchen die Ritterſitte verlangte, daß ſie mit Knappendienſten den Anfang machten und gehorchen
lernten, ehe ſie die Herren ſpielten, verſah er bei unſerm i
Bildhauer die Stellen einer Gouvernante, einer Bonne und eines Kammerdieners, bis die Zeit auch ihn zum großen Künſtler geſchaffen haben würde.
Croquignole gab keine Antwort, eine alte Unart
dieſes jungen Bürſchleins, zumal wenn er beim Spiel beſchäftigt war, das er leidenſchaftlich liebte. Auch dieß⸗ mal ſpielte er Grubenſpiel mit klein Louis, dem hoff⸗ nungsvollen Erben des triſten Papa Jalambot.
Ungeduldig erneuerte Romeo ſeine Frage an Cro⸗ quignole, aber mit ebenſo wenig Glück, denn Letzterer ſpielte im Atelier des Erdgeſchoßes mit klein Louis, und es ſtanden eben ganze neun Sous auf Gewinn.
So öffnete denn Romeo ſelbſt und raſch die Thüre.
Was ſah er? Mitten im Zimmer ſtand eine ſchwarz verſchleierte junge Dame mit gefalteten Händen und
geſenktem Blick, ganz in der Stellung einer Perſon, die plötzlich in ihrem Lauſe gehemmt wird; offenbar hatte
die Stimme des Bildhauers ſie erſchreckt, als ſie eben das Gemach durchſchritt.
Wegen ihres Schleiers erkannte Romeo ſie nicht,
dennoch fühlte er eine eigenthümliche Regung in ſich, doch auf Ehre! nicht ſo, als habe der Reiz eines gewöhn⸗
lichen Abenteuers ihn gekitzelt. Nein, es war ihm ſo voll
ums Herz, daß er mit dem zweifelhaften Glücke einer unerwarteten Eroberung Nichts anzufangen gewußt hätte⸗ „Was wünſchen Sie, Madame?“ fragte er.
Keine Antwort. Ein tiefer Seufzer entſtieg der
Bruſt des Mädchens.


