aufzuſtehen, und ließ ihm ſelbſt die Ehre, ſich den Statuen des Sales vorzuſtellen.
Das Rhinozeros drückte die Lorgnette ins Auge, legte die Hände nebſt Spazirſtock mit goldenem Knopf auf den Rücken und begann das unglaublich poſſierliche Mienenſpiel eines vermeintlichen Kunſtliebhabers, aber umſonſt, denn Romeo ſah ihn nicht, ja, wir wetten, daß er nach fünf Minuten ihn ganz vergeſſen hatte.
Plötzlich ſtieß der Kunſtliebhaber einen lauten Schrei der Bewunderung aus. Romeo blickte ſich ſchnell
um und erblaßte vor Zorn. 4
Mit weitgeſpreizten Beinen, die linke Hand unter den Rockſchößen, die rechte mit der Lorgnette an der Naſe, ſtand der entzückte Kunſtjünger vor der ent⸗ ſchleierten Marmorbüſte.
Wie der Blitz ſchoß Romeo auf den Dilettanten los und ſchob ihm den Vorhang vor der Naſe zu, ehe er Zeit finden konnte, wegzuſehen. 1
„Göttlich! Meiner Seel', göttlich, Romeo(der Dilettant nennt jeden Künſtler bei Namen)... Geb' Ihnen tauſend blanke Thaler dafür!...“ 1*
Statt zu antworten, nahm Romeo die Büſte, be⸗ trachtete ſie eine Weile gerührt, warf ſie auf den Bo⸗ den, daß ſie in tauſend Stücken zerſplitterte, packte dann das Rhinozeros bei beiden Schultern und ſchmieß es zum Tempel hinaus.
Alsbald ging er an eine zweite Büſte, die er, wie wir geſehen, ſorgfältiger verbarg.
Außer dieſer Büſte war keine Arbeit Romeo's in dieſem Zimmer vorhanden. Hie und da im Gemach,—mehr ein Ka⸗ binet, als ein Atelier— ſah man einige Fragmente antiker Basreliefs, welche die wenigen Mobilien im Nenaiſſanceſtile ſchmückten. Vor dem einen der Fenſter, welche der Wohnung der Madame Sorel gerade gegenüber lagen, waren die
Vorhänge vermittelſt einer Nadel ſo zuſammengeſteckt, daß nur ein kleiner Raum, eben groß genug für's Auge, frei blieb. An den Wänden hingen einige Skizzen mo⸗


