Teil eines Werkes 
4.-6. Bdchn (1846)
Entstehung
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Wie durfte ſie wagen, einem Fremden ihr Anliegen zu eröffnen?....

Mehrere Minuten ſtand ſie da, die Augen ſtarr auf die feuchten Steine des Hofes gerichtet.

Alles im Hauſe lag im tiefen Schlafe; kein neu⸗ gieriges Auge gewahrte die ſchmerzliche Ungewißheit des armen Mädchens. Der Portier, mitſammt ſeiner werthen Ehehälfte, Mama Jalambot, wähnte ſie längſt in zaͤrt⸗ lichem Téte⸗A⸗tète mit dem Bildhauer, deſſen Vorliebe für dergleichen Morgenandachten er im Stillen ver⸗ wünſchte.

Jalambot war weder ein ſo hübſcher Burſch, wie Prinz Albert von England, noch Mama in der Hand⸗ habung der Reitgerte ſo wohlerfahren, wie jene jugend⸗ liche Königin Albions, von deren Reitkünſten man wahr⸗ haft Staunenswerthes berichtet. Dagegen verſtand ſie trefflich den Beſen zu führen. Wehe Dir, armer Jalambot, unglücklicher Thorwart!

Rorelane Jalambot, geborne Pour, herrſchte deſpo⸗ tiſch in ihrer Loge, ihrem kleinen Windſor.

Jalambot hatte nur dann Ruhe, wenn er ſchlief; weßhalb er auf dieſe ſeine Ruhe mehr hielt, als Prinz Albert auf ſeine Jagdhunde. Wir verzeihen ihm daher gern ſeinen Unwillen uber dieſen Morgenbeſuch, welcher die Zeit ſeines Waffenſtillſtandes ſo ungebührlich verkürzte. Hätte er in Sancta eine der Nähterinnen der Madame Sorel erkannt, würde er ſie ohne Frage mit einer jener gehäſſigen Epitheta traktirt haben, worin die Pariſer

Portiers erfinderiſcher ſind, als ihre geſammte Brüder⸗ ſchaft auf dem ganzen Univerſum zuſammengenommen.

Aber gleichviel! das arme Kind hätte deßhalb nicht mehr gelitten. Sie konnte nicht unglücklicher werden, als ſie ſchon war.

Noch immer ſtand ſie regungslos da. Das Hin⸗ derniß, das ſie von Weitem überſehen, zeigte ſich plötzlich dicht vor ihr.

Was will ich denn von ihm? fragte ſie ſich....