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Hinter dem Vorhange.
In den Stunden des Schreckens und der Verzweif⸗ lung erſcheint uns der erſte ſchwache Schimmer, welcher die Nacht unſeres Geiſtes durchbricht, wie ein Meer von Licht. Alles in uns begrüßt dieſen Lichtſtral, wie einen längſt erwarteten Retter und Heiland. Ohne zu über⸗ legen, ohne die Hinderniſſe, die unſern Weg verſperren und uns im nächſten Augenblicke zum Falle bringen müſſen, zu beachten, treibt uns eine thörichte Zuverſicht von innen heraus unaufhaltſam weiter. Ueber das Ziel in der Ferne vergeſſen wir die Schranke dicht vor unſern Füßen. Wir ſtürzen nieder, und die Folge dieſes Sturzes iſt eine noch tiefere ſittliche Entmuthigung......
Gehorſam jener erſten Eingebung, worin der Troſt⸗
2 loſe ſo gern eine Offenbarung des Himmels erkennt, hatte
Sancta das Hotel Maillepré verlaſſen. Während des ganzen Weges fand ſie keine Zeit, über die Beſchaffenheit und das Ziel ihres Vorhabens nachzudenken, noch über die Ausſicht auf einen glücklichen Erfolg deſſelben. Erſt als ſie vor der Schwelle des Hauſes ſtand, tauchten plötzlich quälende Gedanken in ihr auf und entſank ihr aller Muth.
Aber ſo geht's im Leben; ehe wir's uns verſehen, erliſcht die Leuchte der Hoffnung, und wir ſind der ſchwärzeſten Finſterniß von Neuem preis gegeben. Cs iſt uns, als ſähen und wüßten wir Nichts mehr. Wie war's möglich, daß du hoffen konnteſt? fragen wir uns.
Das arme Kind betrat ſchüchtern den Hof und blieb zwiſchen der Thüre, die in die Wohnung der Madame Sorel, der Modiſtin, führte, und zwiſchen der
des Bildhauers Romeo nachdenklich ſtehen.
Romeo war ihr gänzlich fremd, ſie hatte nie ein Wort mit ihm gewechſelt; nur durch Zufall hatte ſie ſeinen Namen erfahren. 8


