Teil eines Werkes 
4.-6. Bdchn (1846)
Entstehung
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/ gendfülle prangte ſie unter dem reichen Schmucke, einem Hochzeitsgeſchenke, das ſie heut Abend zum erſten Male trug. Stumm und unbeweglich ſaß ſie da; nur ſelten

gab ſie durch ein Lächeln ihre Theilnahme an der Un⸗

terhaltung zu erkennen.... Dank der geſelligen Kenntniſſe der Frau von Pont⸗

levau, welche all die zierlichen Redensarten aus dem

Kunſt⸗ und Converſationslexikon der hofhaltenden Welt⸗ damen am Schnürchen wußte, ging es unter der zahl⸗ reichen Menge ziemlich heiter zu, trotz der wiederſtre⸗

benden Elemente, welche in buntem Gemiſch durchein⸗

ander wogten.

Und doch wäre der Frau von Pontlevau dieſe Miſchung ſchwerlich gelungen, ohne die thätige Hülfe ihrer beiden Schwiegerſöhne. Die politiſchen Anſichten des Vicomte erklärten hinreichend die Anweſenheit der Legiti⸗ miſten; die Stellung des Herrn von Baulnes rechtfer⸗ tigte die Zulaſſung der übrigen Parteien.

Alle aber huldigten einem ſtillſchweigend anerkann⸗ ten Geſetze. Jede Propaganda war aufs Strengſte ver⸗ pönt und eine Bekehrung in den Salons der Frau von Pontlevau etwas Beiſpielloſes.

Ungeachtet der lächelnden Mienen, womit die Her⸗ ren von Varannes und von Baulnes im Hotel ihrer Schwiegermutter anmuthigſt die Honneurs machten, ſchienen Beide von geheimer Unruhe gequält und immer dahin zu ſehen, wo ihre Frauen ſaßen.

Der Vicomte ſtand wie auf Kohlen, denn die Ei⸗ ferſucht peinigte ihn, obgleich er ſie äußerlich verachtete und Herr von Baulnes litt nicht weniger, denn er war bis über die Ohren verliebt.

Schon vor der Schwelle zur Brautkammer hatte letzterer mit Hinderniſſen zu kaͤmpfen gehabt und jenſeits derſelben keinen jungfräulich ſchüchternen Gehorſam, ſondern einſtudirten Widerſpruch, keine züchtig⸗errö⸗ thende Jungfrau, ſondern eine kampfgerüſtete Amazone gefunden, von Kopf bis zu Fuß mit eiſigen Sophismen