mauſetodt, und der weibliche Don Juan, oder Donna Juana, wenn Ihr lieber wollt, das erobernde Weib, an deren Fächer das
Eine Elle iſt heutzutage ein wahrer Zauberſtab und das ehemals ſo beruͤhmte Handwerk eines Herzensräubers längſt in Mißkredit gekommen. Nur die Schuhmacher und Buchhändler gelten noch was bei den Damen. Es war der Abend deſſelben Tages, wo Gaſton in den Champs⸗Elyſees durch Felir Chapitaur umgeritten worden. Eine große Menſchenmenge wogte in den Sälen der Frau von Pontlevau auf und ab. Ihr Hotel, an der Gränze des Faubourg Saint⸗Honore gelegen, doch ſo, daß es über den Platz de la Concorde weg die letzten Paläſte des Faubourg Saint⸗Germain ſah, gehörte zu den ſogenannten neutralen, in denen Sälen ſich die verſchiedenſten politiſchen Schattirungen zuſammenfanden. Die liebenswürdigen Eigenſchaften der Frau von Pontlevau zogen die heterogenſten Elemente des geſelli⸗ gen und politiſchen Leben an und wußten ſie fuͤr die Dauer eines Abends geſchickt mit einander zu verbinden. Sie hatte ihre älteſte Tochter an den Herren von Varannes, einen enthuſiaſtiſchen Anhänger des ältern Zweiges der Bourbons, und ihre jüngſte an den Herrn von Baulnes, Auditor im Staatsrathe, verheiratet. Die gute Dame betete den Herzog von Bourdeaur an, liebte den Herzog von Orleans, weinte beim An⸗ denken an Mademoiſelle und ihre Mutter, verehrte die Prinzeſſinnen, die Töchter Louis⸗Philipps; das Alles mit dem beſten Herzen von der Welt und ohne anderes Intereſſe, als ihr Vergnügen. Obgleich eine achtundvierzigjährige Dame, hatte
ſie das Anſehen einer ſechzehnjährigen. Ein kaltes
Lächeln ſchwebte ſtets auf ihren noch ſchönen Zügen; ſie wußte Jedem etwas Verbindliſches zu ſagen, ohne


