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„Liebe Schweſter! Der Muth unſerer Väter be⸗ ſeelt mich, meine Bruſt hebt ſich beim Gedauken an den Kampf, welchen ich zum erſten Male und für die Ehre unſeres Namens beſtehen ſoll... Dennoch iſt mein Auge thränenſchwer, weil ich Deiner Liebe und des Abſchieds von Dir gedenke. Ja, ich liebte und liebe Dich, mit mehr als brüderlicher, mit älterlicher Liebe. Du warſt und biſt mein Ein und Alles auf Erden. Nie hätt' ich ein Weib lieben können!
„Die Hand Gottes allein ſollte uns trennen, ich weiß es, ich weiß es, liebe Schweſter. Indeß geh' ich morgen hinaus, ein Leben, das Dir gehört, in die Schanze zu ſchlagen! Ich raube Dir Deine letzte Hoff⸗ nung, Deine letzte Freude! Ach, wenn Du dieſe Zeilen lieſeſt, Sancta, bin ich vielleicht nicht mehr.
„Aber weine nicht! Gott iſt gnädig. Er wird uns dort oben zuſammen führen zum ewigen Glücke!
„Könnt' ich nur Dich mitnehmen, Sancta, Dich, Du arme Verlaſſene in dieſer Welt, wo keine befreun⸗ dete Bruſt Dir ſchlägt!
„O gib, mein Gott, gib, daß ich am Leben bleibe, nicht um meinerwillen, um ihrer willen, um Sancta's willen. Habe Mitleid mit ihr.
„Du ſiehſt es, liebe Schweſter, ich flehe ums Leben. D'rum vergib mir, wenn ich nicht mehr ſein werde. Ich wäre ſo gern bei Dir geblieben.... immer bei Dir geblieben!.
„Der Mann, durch welchen Du dieſe Zeilen em⸗ pfangſt, wird Dir mein Grab zeigen. Komm' oft zu mir, an meinem Grabe zu beten. Wie lieblich ſoll Deine Stimme mir klingen!
„Gott befoöhlen, Schweſter! ich kann nicht mehr, ich muß mich auf morgen ſchonen und dieſer Abſchied tödtet mich.... Bleibe ich am Leben, ſo erfahrſt Du Nichts. Der ſchöne Traum Deines kindlich reinen Shaſe⸗ ſoll keinen Augenblick geſtört werden... Wenn ich falle.


