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ſie auf, weckte ihn, ſetzte ſich zu ſeinen Füßen und tröſtete ihn mit engelſanften Worten.
Während ſie auf den kalten Flieſen lauſchte, tobte der Wind draußen gegen die alten Fenſter des Hotels und heulte in den Windungen des Kamins, ſo daß es ihr oft ſchien, als drängten ſich Klagelaute aus dem Nebenzimmer herüber. 3
Um dem Zuſtande der Ungewißheit ein Ende zu machen, öffnete ſie leiſe die Thüre und ſchlich in die Kammer des Bruders.
Auf dem Fenſtergeſimſe, das bei Gaſton die Dienſte
eines Tiſches verſah, befand ſich ein noch brennendes Licht und ein Stoß Papiere. Der ſchwache Schimmer der Kerze ließ ſie Gaſton von fern erkennen. Er lag ganz angekleidet auf dem Bette, die Wangen glühten in
der Hitze des Fiebers, die Lippen lächelten, während eine Thräne an den Wimpern zitterte.
Gaſton ſchlief, und, wie es ſchien, ruhig und ſanft. Vielleicht goß ein glücklicher Traum ſeine Segnungen
über den müden Geiſt des Jünglings aus.
Auf den Zehen ſchlich ſie heran und bückte ſich faſt
athemlos über die Bruſt des Bruders.... Ja, er ſchlief
ſanft und ruhig.... Dankbar blickte ſie auf gen Himmel....
Sie kehrte zum Fenſter zurück, um das Licht aus⸗ zulöſchen. Da ſielen ihre Augen auf den Umſchlag eines Briefes, welcher unter den übrigen Papieren her⸗ vorſah und den Namen Sancta zeigte. Sie ſchob die Papiere bei Seite und las die Aufſchrift:
„An Fräulein Sancta von Naye, meine Schweſter.“
Ein Zittern und Beben ergriff ſie, ſie wußte ſelbſt nicht warum. Die Ahnung eines neuen Unglücks quälte ſie.„Gewiß,“ dachte ſie,„gibt mir der Vrief den ge⸗ wünſchten Aufſchluß über die Urſache von Gaſtons Betrübniß.....
Schon wollte ſie den Brief einſtecken, aber die Furcht uͤbermannte ſie.—
Pariſer Liebſch. II. 2


