8
223
Und wovon Kopie?
Nicht einmal die Kopie eines Menſchen; nein! die Kopie einer Kopie, die Kopie eines Typus, das heißt ſo viel als: Schatten eines Schattens, einer Art bur⸗ lesken Abdrucks irgend eines burlesken Produktes aus einem leeren Hirn, das ſelbſt Nichts, als eine Kopie iſt. Und ſo geht es weiter bis in's Unendliche.
Nehmen wir zum Beiſpiel den Arbeiter der Jetzt⸗ zeit. Der Arbeiter, wie er uns jetzt in den verſchiede⸗ denen Gewerken entgegentritt, iſt Dichter, Philoſoph, Denker, Plappermaul, Eiferſüchtler, Neider, Narr, ein rhetoriſches Talent nicht in der Toga, ſondern in zer⸗ lumpter Blouſe: kurz, er iſt Alles, nur nicht das, was er ſein ſollte— Arbeiter.
Im Namen des Arbeiters ſelbſt proteſtiren wir feierlich gegen eine ſolche Verzerrung aller natürlichen Verhältniffe.
Ihr behauptet, er leide, und wirklich leidet er. Aber ſeht Euch vor, daß Ihr ihn durch ſolche Uebertreibungen nicht noch unglücklicher macht.
Wie uns ſcheint, liegt dieſem bombaſtiſchen Weſen eine Geringſchätzung dieſes höchſt ehrenwerthen Theiles der Menſchheit zum Grunde. Man will ihn ſeiner na⸗ türlichen Sphäre entrücken; das kann nur der thun, der ſie mißliebig anſieht. Niemand kann die arbeitende Klaſſe mehr achten und mehr lieben, als wir; Niemand kann herzlicher wünſchen und ſtreben, ihnen auf vernünf⸗ tigem Wege ein beſſeres Loos und eine günſtigere, ein⸗ flußreichere Stellung im Staate zu verſchaffen.
Aber heißt das ihnen dienen, wenn man ihnen
wohin ſie von Natur nicht gehören?
Heißt das, ihnen dienen, wenn man in hochtra⸗ benden, ſchönklingenden Redensarten ihnen einen Wider⸗ willen gegen ihren Stand beibringt, der den Haß und die Eiferſucht, die in der Seele jeded Leidenden unter der Aſche fortglimmen, zu hellen Flammen aufſchürt?
Kezun ſchmeichelt und ſie auf eine Stufe erheben will,
8


